Bildnachweis: © ELKB/Rost

Unter der Verantwortung des bayerischen Landesbischofs Heinrich Bedford-Strohm hat die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) ein Schiff für Migranten in das Mittelmeer entsandt. Unser Offener Brief zeigt auf, weshalb dieser Weg politisch falsch und sogar unchristlich ist.

 

ehr geehrter Herr Bedford-Strohm, 

als Mitglied der ELKB ergreife ich das Wort, um Ihrem Vorstoß entschieden zu widersprechen, auf der Mittelmeerroute Migranten aus Afrika nach Europa zu verbringen. 

Meine Ansicht beruht auf den folgenden sechs Argumenten, die ich Sie bitte anzuhören und in Betracht zu ziehen: 

  1. So gut wie alle Migranten, die in Seenot geraten, tun dies wenige Kilometer von der nordafrikanischen Küste entfernt. Die Überwachung dieser Gewässer und damit verbundene Rettungsaktionen sind von staatlichen Stellen auszuführen. Diese sollten Sie unterstützen, anstatt auf verwegene Weise eine Privatmission zu entsenden. „Seenotrettung“, die Migranten mit der Aussicht auf einen Freifahrtschein nach Europa in Seenot lockt; die statt Gerettete in nächstgelegene sichere Häfen zu bringen, wochenlange Odysseen unternimmt und auch vor Rechtsbruch nicht zurückschreckt, um die Regierungen der EU-Mittelmeerstaaten politisch unter Druck zu setzen; die eine verantwortungslose Politik der offenen Grenzen durchsetzen will, ist keine Seenotrettung. Sie findet in einem rechtsfreien Raum statt, falls sie nicht schon glatt kriminell ist. Sie sollte daher auch nicht von den evangelischen Kirchen und Gemeinden unterstützt werden. Beihilfe zum Rechtsbruch ist keine christliche Tugend.
  1. Auch wenn es gewissen ideologisch denkenden Menschen nicht gefällt – nur konsequenter Grenzschutz rettet Leben. Seit die italienische Regierung ab dem Jahr 2017 damit begann, die Mittelmeerroute einzuschränken, hat die Anzahl der Toten kontinuierlich abgenommen – und ist mittlerweile auf einen historischen Tiefstand gefallen (siehe dazu die Zahlen bei „Missing Migrants Project“ – https://missingmigrants.iom.int/).

 

 

Wenn Ihnen die Menschenleben am Herzen liegen, sollten Sie daher eine Politik geschlossener Grenzen unterstützen. Auch in Australien konnte durch die „Operation Sovereign Borders“ die Zahl der ertrunkenen Migranten in kürzester Zeit auf fast null gesenkt werden. 

  1. Menschen zu helfen und Nächstenliebe zu praktizieren ist ein fester Bestandteil des christlichen Glaubens. Politik aus christlicher Verantwortung geht über die reine Nächstenliebe jedoch hinaus. Als Christen müssen wir nämlich anerkennen, dass es auch Böses in der Welt gibt. Die Obrigkeit hat in erster Linie die Aufgabe, die rechtschaffenen Bürger vor Übeln und böswilligen Menschen zu beschützen. Wer in den Nachrichten von den schrecklichen Gewalttaten liest, die von sogenannten Flüchtlingen begangen werden – ich nenne als Beispiel nur die jüngste Vergewaltigung einer fünfzehnjährigen Schülerin in meiner Heimatstadt Augsburg durch einen Afghanen; er hatte sie mit Drogen zu sich gelockt und gefügig gemacht – muss die fahrlässige Forderung nach offenen EU-Außengrenzen hinterfragen. Genau dies wird jedoch von vielen der Organisationen verfolgt, mit welchen Sie kooperieren und sympathisieren. Kein Staat aber kann ohne Ordnung, Grenzen und Gesetze existieren. Und: Die Nächstenliebe ist für Christen zwar einer, aber längst nicht der einzige Gradmesser politischer Verantwortung. Das hat zum Beispiel auch Martin Luther in seiner Schrift „Von weltlicher Obrigkeit und wie weit man ihr Gehorsam schuldig sei“ überzeugend dargelegt.
  1. Ihr Vorstoß zielt vorrangig auf Sympathiepunkte bei einem ideologisierten und kirchenfernen Milieu ab, welches auch heute noch von den furchtbaren Ideen der Anarchisten und Marxisten geprägt ist. Dies bezeugt allein schon deren häufig verwendete Parole „No Nations, No Borders“. Eine solche Gedankenwelt ist mit dem Wort Gottes vollkommen unvereinbar. Innerhalb der evangelischen Kirchen gibt es hingegen sehr viele Gläubige, die wie ich kritisch zu den Aktivitäten der pseudowohltätigen Schlepperbeihilfe im Mittelmeer und deren Ideologie stehen. Ihr Vorstoß ist leider dazu geeignet, innerhalb unserer Kirche einen tiefen Keil zwischen Menschen unterschiedlicher politischer und theologischer Auffassungen zu treiben.
  1. Ihr Vorstoß hat weder mit der eigentlichen Aufgabe der Kirche – dem Verbreiten des Evangeliums – noch mit karitativen Angelegenheiten zu tun: Die Migranten, die Sie nach Europa bringen wollen, werden in die von der Allgemeinheit finanzierten Sozialsysteme einwandern. Die Amtskirchen zahlen hingegen in die Sozialsysteme und Staatskassen kaum etwas ein – im Gegenzug erhält sie sogar noch Finanzmittel aus der Hand der Steuerzahler. Der barmherzige Samariter, den wir aus Jesu Gleichnis kennen, hat jedenfalls sein eigenes Vermögen für die Rettung eines verfolgten Menschen eingesetzt – und nicht das anderer.
  1. Setzen wir zuletzt einmal auch die Todeszahlen in Relation (ohne freilich dabei das Einzelschicksal zu vergessen): Allein in Deutschland werden Jahr für Jahr knapp 100.000 Kinder vorgeburtlich und indikationsfrei getötet. Warum erheben Sie diesbezüglich Ihre Stimme nicht? Beim jährlich stattfindenden „Marsch für das Leben“ in Berlin kommen Vertreter vieler großer christlicher Organisationen zusammen – die EKD unterstützt diese Veranstaltung aber nicht, obwohl es gerade bei diesem Thema um sehr viele Menschenleben geht. Das Schweigen meiner Kirche scheint mir dabei allein der politischen Opportunität geschuldet; der Angst, ihren vermeintlich „progressiven“ Verbündeten in Politik und Medien vor den Kopf stoßen zu können. Christen sollten jedoch nicht das für richtig erachten, was der säkulare Zeitgeist ihnen vorgibt, sondern was Bibel und Bekenntnis entspricht.

Es würde mich sehr freuen, von Ihnen eine schriftliche Replik auf die genannten Punkte zu erhalten, oder auch hierüber ein persönliches Gespräch zu führen. 

Wichtig ist mir zu betonen, dass ich gegen Sie keinen Zeigefinger erheben möchte, sondern vielmehr zum Nachdenken und zur Diskussion anregen will. Wenn wir an die über fünfhundertjährige Geschichte unserer Konfession zurückdenken, sind von ihr immer wieder politische Initiativen und Bündnisse ausgegangen – nicht immer waren diese gut und richtig, wie sich später herausstellte. 

Zuguterletzt finde ich, dass sich gerade die evangelischen Kirchen auch wieder stärker den seelisch Ertrinkenden zuwenden sollten. Den Hunderttausenden, die jedes Jahr unsere Gemeinden verlassen und den Millionen, die Jesus Christus und seine Botschaft noch nie kennenlernen durften. Leider höre ich nur sehr wenig davon, wie wir sie wieder erreichen (wenngleich ich selbst kein Patentrezept dafür habe). 

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und freue mich auf Ihre Antwort. 

Mit freundlichen Grüßen, 

Felix Schönherr 

Pressesprecher WerteUnion in Bayern

 

Mitunterzeichner: 

Lars Bergen, stellvertretender Landessprecher der WerteUnion in Bayern
Rosi Schneider-Clausert
Dr. Meinhard Sauer-Attendorn
Bernd L. Müller
Heinrich Moß
Stefan Schulz
Holger Jaklitsch
Erich Kuhn
Prof. Dr.Dr. Hans Pistner
Dr. Christoph Landel
Annette Heinisch
Kornelia Meyer-Koop
Bernd de Lamboy
Martin Berg
Marcus Schröder  
Gregor Pottgiesser
Martina Baues
Jörg Overlack
Lilo und Horst Hofmann
Silvia Menge
Franz-Peter Reinartz
Sven Wagner 
Kurt und Silvia Oertel
Olaf Ogrzewalla
Detlev Kemker
Reinhard und Anne Müller
Kurt und Silvia Oertel
Sven Wagner
Franz-Peter Reinartz
Silvia Menge
Lili und Horst Hofmann
Bernd und Christina Opitz
Gerald König
Peter Hagmann
Christel Richter
Walter Geib
Steffen Biedermann
Stefanie Voigt
Joachim Stöcker
Prof.Dr.Hans-Joachim Voges
Eckart Knobloch
Arno Haiss
Jochen Müller-Berndorff
Dr. Jörg Schnatz
Sibylle Dreher
Peter Frick-Brokamp
Klaus Suchan
Klaus Henne
Charlotte Köbke
Friedrich Bräuninger
Dr. med. Roland Bretschneider
Christian Weiß
Heinz Fischer
Dr. phil. Gerold Schmidt-Callsen
Udo Hollwedel
Rolf W. Eckert
Iris Weinbrenner
Rupert Stark
Magdalene Mertz
Hans-Ulrich Embacher
Dr. Gunter Zimmermann
Anton Blank
Wolfgang Hahn

Sie möchten den offenen Brief ebenfalls mitunterzeichnen? Dann schreiben Sie uns unter: info@konservativeraufbruch.de

Dies ist die überarbeitete Version des ursprünglich am 14. August 2020 erschienen offenen Briefs.